Es geht nochmal in die Anden. In die Cordellera Real nahe La Paz. Unser Hauptgepäck lassen wir in der Stadt zurück.
Unterwegs machen wir einen kurzen Foto Stop. Denn vor uns tut sich der Huayna Potosi auf und sein Gipfel ist unser Ziel. Richtig, diesmal kein Trekking, sondern eine Besteigung.
Wow, da haben wir ja was vor!
Stolze 6088 Meter misst der Berg. Es gibt kaum 6000er, die kein technisches Klettern erfordern und somit von „Laien“ bestiegen werden können. Doch die Höhe dürfte genug Herausforderung darstellen. Jetzt sind wir schon seit einem Monat auf über 3000 Metern, man ist selten schon so gut akklimatisiert. Und das ist das Allerwichtigste, neben einer guten Gesundheit. Also, versuchen können wir es mal. Umdrehen kann man jederzeit. Wir haben schließlich unseren eigenen Guide. Denn 2 Personen kommen auf einen Guide und am heutigen Tag starten nur wir mit der Company.
Nach nur 1,5h kommen wir auf 4700m im Basecamp an und beziehen unser Refugio.
Auch im Refugio können wir aus 24 Betten wählen, denn heute Nacht sind wir die einzigen Gäste. Was nicht heißt, dass die Tour von wenigen gemacht wird. Sie ist sogar relativ beliebt und uns wurde erzählt, dass es etwa 80% bis hoch schaffen. Und laut Guide haben Sie 30-40% deutsche Kunden.
Wir haben 2 Tage Vorbereitung und Akklimatisierung vor uns, bevor es auf den Weg zum Gipfel geht.
Erstmal wird Mittag gegessen. Es gibt große und ausgewogene Mahlzeiten. Nicht schlecht!
Nach ein paar Vergleichen in La Paz, hat die Agentur auf uns den seriösesten Eindruck gemacht und war am teuersten. Trotzdem bezahlen wir pro Tag und Person nur 50 Euro für alles.
Danach machen wir uns auf den Weg zum nahgelegenen Gletscher.
Köchinnen machen sich auf den Weg in die höher gelegenen Refugios.
Hier nehmen wir uns Zeit und machen uns mit dem ganzen Equipment vertraut. Denn die meiste Zeit werden wir über Eis und Schnee gehen.
Beeindruckend diese Eismasse.
Unser Guide besteigt eine Wand und bringt oben eine Schraube für das Seil an. Ein sehr netter, erfahrener und zertifizierter Guide. Und was uns auch wichtig war, er spricht richtig gut englisch. Je nach Saison ist er fast jeden Tag hier oben.
Und dann sind wir an der Reihe. Mehr zum Spaß. Denn technisch klettern müssen wir bei der Besteigung natürlich nicht.
Puh, gar nicht einfach! Bis ich über den kleinen Überhang rüber gekommen bin. Aber mein Ehrgeiz hat gesiegt.
Runter ist dann easy. 🙂
Der Chris hat sich besser angestellt und war einiges schneller oben. 🙂
Der Spanier nach uns hat gleich aufgegeben und seine Partnerin hat nicht einmal versucht.
Hat Spaß gemacht. Nochmal einen Blick auf unser Ziel und dann gehts zurück ins Basecamp.
Nach Snacks und einem üppigen Abendessen gehts ins Bett. Uns treibt die Kälte früh in die Schlafsäcke.
Meine wundersüße Raupe. 🙂
Nach 12 Stunden im Schlafsack stehen wir ausgeruht auf. Die gesammelte Energie können wir noch gut gebrauchen.
Brrr, war wohl kalt draußen. Gut dass wir uns nicht für eine Trekking-Tour im Zelt entschieden haben. Sag ich momentan zumindest noch. 😉
Wow, haben wir tolles Wetter. Natürlich auch sehr wichtig in den Bergen.
Natürlich gibt es auch ein rießen Frühstück. Danach packen wir unser ganzes Equipment und lassen das Basecamp hinter uns.
Unterwegs kommt uns ein französisches Paar entgehen und die arme Frau sieht gar nicht gut aus. Auf 5500m hat sich die Höhenkrankheit bemerkbar gemacht und sie mussten umdrehen.
Wir erreichen Schnee und wechseln unterwegs auf die Bergstiefel und Steigeisen .
Nach nur 2h erreichen wir unser Highcamp auf 5150 Meter.
Diesmal teilen wir uns das Refugio mit einem Amerikaner und verbringen einen netten gemeinsamen Nachmittag. Die Sonne scheint auf das Plastikdach und erwärmt den Innenraum – sehr angenehm.
Vom Inca-Klo hat man eine tolle Aussicht. 🙂
Sonne tanken und die schöne Umgebung genießen. Wir haben viel Zeit zum Chillen und Kräfte sammeln.
Am Abend ziehen die Wolken um die Berge unterhalb. Wunderschön.
Um 19:00 Uhr legen wir uns hin. Natürlich sind wir noch nicht wirklich müde, das Herz schlägt schell und in dieser Höhe fehlt der nötige Sauerstoff für einen tiefen Schlaf. Immerhin dösen wir zwischendrin ein wenig.
Um 12 Uhr nachts wird es dann ernst. Wir essen eine Kleinigkeit und richten uns und um 1:00 Uhr brechen wir auf.
Man muss nachts gehen, um rechtzeitig wieder auf dem Rückweg zu sein. Denn bei Sonnenschein wird der Schnee weich und er wird gefährlicher zu begehen.
Natürlich gehen wir in Seilschaft.
Wir haben Glück, es ist immer noch sternenklar. Zudem haben wir kaum Wind. Super Bedingungen. Trotzdem ist es bitterkalt und unser Wasser gefriert in der Flasche. Wir sind froh über den heißen Tee in unserer neuen Thermosflasche.
In der Ferne sieht man El Alto/La Paz schimmern wie heiße Lava.
Fast 1000 Höhenmeter und ca 4km haben wir zu bewältigen. Eigentlich nicht zu viel, doch hier oben ist das anders. Die ersten paar hundert Höhenmeter gehen recht gut. Unser Guide führt uns mit einem guten, langsamen und kontinuierlichen Schritt. Doch dann wird es echt hart und extrem anstrengend. Es ist oft sehr steil und die Bergstiefel sind schwer. Das Herz schlägt stark und wir brauchen immer mehr Verschnaufpausen. Mit der zunehmenden Höhe bekommen wir beide leichte Magenschmerzen. Durch den mangelnden Sauerstoff kann auch der Magen nicht ganz normal arbeiten. Die Kopfschmerzen bleiben aber aus – ein sehr gutes Zeichen.
Wir bleiben fokussiert und gehen langsam und konzentriert weiter… Auf die letzten paar Meter haben wir den Chris noch etwas mental unterstützt, denn die Kräfte ließen deutlich nach.
Unfassbar !!! Nach 5 Stunden kommen wir oben auf 6088 Meter an. Mir kommen sogar die Tränen. Ein bewegender Moment – das hätte ich nicht erwartet.
Rechtzeitig zum Sonnenaufgang. Mega!
Krass, was der Berg für einen Schatten wirft.
Länger als 20 Minuten waren wir nicht oben, es ist viel zu kalt. Etwa – 16 C° meint unser Guide. Aber ich habe meine Füße schon auf dem letzten Stück des Aufstiegs nicht mehr richtig gespürt. Der Akku war nach wenigen Aufnahmen in der Kälte auch am Ende.
Der Rückweg geht natürlich einiges schneller und man staunt über den Weg und die Landschaft, die man nun sehen kann.
Der Agentur-Besitzer hat uns sogar noch seine eigene GoPro-Halterung für den Oberkörper geliehen. Voll Nett. Denn auf dem Helm hätte der Akku nicht lange durchgehalten.
Der Gletscher ist etwa 200 Meter dick, erklärt uns unser Guide und ein paar Spalten sehen wir unterwegs.
Gegen Ende sind wir echt richtig kaputt. Wie noch nie zuvor nach einer Tour. Aber das war ja zu erwarten. Natürlich sind wir gleichzeitig glücklich und stolz es geschafft zu haben. 🙂
Endlich zurück im High-Camp stärken wir uns mit einer Suppe, auch wenn uns das Essen nun schwer fällt. Und doch tut es gut.
Und das letzte Stück zurück ins Basecamp geht dann nach der Stärkung auch wieder ganz gut. Vor allem mit den wunderbaren, leichten Trekking-Schuhen. 🙂
Als wir das Refugio unten erreichen ist Hochbetrieb. Eine große Gruppe ist angereist. Unser Guide bleibt direkt da und macht mit den nächsten weiter. Unglaublich.
Zurück in La Paz ist das Chaos im Zimmer groß. Doch das stört uns bis morgen nicht. Wir gehen duschen (schimpfen, dass sie nicht richtig warm ist) und fallen erstmal ins Bett für einen ausgiebigen Mittags-Schlaf.
Und danach gibt es das Belohnungs-Essen. 🙂
So ne Tour haben wir vorher auch noch nicht erlebt. Mega. Eine „once in a lifetime“ Erfahrung.
Am nächsten Tag chillen wir natürlich noch in La Paz bevor wir uns ins nächste Abenteuer stürzen werden. 🙂