Heute nacht schlafen wir nicht ganz so gut. Denn mitten in der Nacht wird auf der Straße gefeiert. Keine Ahnung warum – wahrscheinlich sind sonst die Straßen immer durch Autos blockiert. Jedenfalls wachen wir um 1:00 Uhr auf und es hört sich so an, als würden Guggemusiker durch unser Zimmer marschieren.
Wir schauen durchs Fenster und beobachten Tänzer in hübschen Kostümen.
Wieder lassen wir ein Großteil unseres Gepäcks in La Paz zurück und machen uns am Mittag mit der Seilbahn und dem Taxi auf zum Flughafen.
Krasse Pflanze, oder?
Wenn wir schon mal hier in der Region sind, dann möchten wir auch den Amazonas besuchen.
Das Amazonasgebiet erstreckt sich über 9 Länder. Brasilien hat mit 70% den größten Teil. Wir wollten zuerst nach Iquitos in Peru gehen, doch dort ist es anscheinend leider schwierig, verantwortungsvolle Anbieter zu finden. Wir haben lange recherchiert. Zudem sind die Anbieter in Bolivien günstiger.
Wir nehmen Platz im kleinen Flieger. Der Flughafen von La Paz liegt auch auf über 4000 Metern und ist recht klein mit seinen 8 Gates.
In nur einer halben Stunde fliegen wir von La Paz in den Bergen, runter in den Amazonas. Krass, wie nah diese beiden Welten sind. Wir staunen auf der Reise immer wieder über die Vielfalt der Natur, die Gott so wunderbar geschaffen hat.
Man kann auch den Nachtbus nehmen. Eine abenteuerliche Fahrt von ca. 16 Stunden, durch die Nacht, auf engen, abschüssigen Straßen. Hätten wir beim recherchieren nicht so viel schlechtes bzw. gefährliches darüber gelesen, wären wir auch mit dem Bus gefahren.
Somit genießen wir den schönen, angenehmen Flug.
Der Flughafen – ein kleines Holzhaus.
Wir bleiben für eine Nacht in Rurrenabaque und erfreuen uns an 30 C° und Luftfeuchtigkeit. Es fühlt sich fast an wie nach Hause kommen.
Endlich wieder barfuß in der Hammok. 🙂
Rundherum hört man exotisches Vogel-Gezwitscher.
Am nächsten Morgen frühstücken wir und danach nehmen wir noch was Leckeres bei einem französischen Bäcker mit, den wir entdeckt haben. Die Expats sind überall 🙂
Dann geht es ins Büro unserer Agentur.
Hier bei Rurrenabaque gibt es den Madidi-Nationalpark. Wir haben uns allerdings für das Sererre Naturreservat entschieden. Ein privates Reservat, das 1999 gegründet wurde und seit 2004 Gäste beherbergt.
Vormittags geht es aufs Boot.
Wir entdecken unterwegs ein Wasserschwein.
Nach 3 Stunden erreichen wir die Anlegestelle. Von hier aus laufen wir noch eine 3/4 Stunde bis zur Eco-Lodge.
Hat man sich erst noch über die Wärme gefreut, kommt man im Regenwald gleich gut ins schwitzen.
Wir kommen an und freuen uns riesig über die wunderschönen Hütten.
Welch ein Luxus, mitten im Amazonas.
Wir haben sogar unser eigenes Bad und die Wände sind aus Draht, sodass man möglichst viel von draußen mitbekommt.
Eine Art Papaya-Baum. Der hat ne gute Abwehr am Stamm.
Wir machen nachmittags noch eine erste kleine Runde durch den Wald mit unserem Guide.
Im Amazonasgebiet leben sehr, sehr viele Tiere. Doch diese zu Sichten ist nicht so einfach. Die Tiere sind scheu und haben sehr viel Platz sich zurück zu ziehen. Wir versuchen so leise wie möglich zu gehen und unser Guide lauscht öfters in die Ferne.
Allein die Pflanzen sind sehr beeindruckend und der Guide hat viele interessante Erklärungen parat.
Er rät uns gleich zu Anfang, nichts anzufassen – keinen Ast beim laufen usw., denn man kann z.B. schnell eine 24h-Ameise übersehen. Die heißen so, weil sie einem starke Schmerzen für 24h verpassen kann.
Es gibt viele verschiedene Sorten von Ameisen. Die Army-Ameise z.B. klaut die Eier von anderen Kolonien.
Wir sind an einem Baum vorbei gekommen, dessen Saft sehr giftig ist. Er wird bei den Einheimischen zum Jagen verwendet. 1 Tropfen dieses Giftes kann 10 Menschen töten. Krass.
Wir haben zudem einen Kolibri gesehen und einen kleinen giftigen Frosch. Auch das Gift der Frösche wird zum Jagen genutzt.
Wir sind zurück am Haupthaus, welches an einem See liegt.
Heute ist der Tapir zu Besuch. Der kommt und geht anscheinend. Sieht cool aus das Vieh.
In der Küche wird schon fleißig zu Abend gekocht. Alles mit Feuer. Denn Strom gibt es nur für 2 Stunden durch den Generator am Mittag. Kerzen und Stirnlampen helfen den Köchinnen dann wenn es dunkel wird.
Der Sohn der Köchin ist gar nicht schüchtern 🙂
Sonnenuntergang am See – wie schön.
Der See lädt bei der Wärme sehr zum Baden ein. Doch das ist leider zu gefährlich. Denn es wimmelt von Piranhas und es gibt bis zu 8 Meter lange Kaimane. (Krokodile)
Romantisch, das Candlelight-Dinner.
Hier haben wir wieder gesellige Family-Style Mahlzeiten.
Wow, dass die so lecker kochen hätten wir nicht erwartet. Und das überm Feuer.
Unsere Hütte liegt etwa 500m vom Haupthaus entfernt. Ein bisschen unheimlich ist einem am ersten Abend hier mitten im dunklen Dschungel schon.
Das ein oder andere Tier entdecken wir unterwegs. Spinnen und Ameisen sind vor allem nachts sehr aktiv.
Und manchmal raschelt es nebenan im Gebüsch.
So eine sitzt dann auch im Bad.
Und auch einen kleinen Frosch, von dem wir nicht wissen ob er giftig ist oder nicht – ist er aber nicht, haben wir später erfahren.
Wieder sehr gemütlich.
Und wir haben richtig gut geschlafen. Es war richtig toll mit den ganzen Dschungel-Geräuschen aufzuwachen. Gegen Morgen hört man dann zig Vögel und in der Ferne die Brüll-Affen.
Am ersten Morgen war es noch recht kühl. Von Tag zu Tag wurde es aber wärmer. Momentan ist Ende der Trockenzeit und es ist auch noch nicht all zu schwül.
Nach einem sehr leckeren Frühstück überqueren wir den See und erkunden die andere Seite.
Ein Termiten-Bau. Die Termiten ernähren sich unter anderem von Baumwurzeln und können somit riesige Bäume zum Einsturz bringen.
Mal schauen, ob wir noch einem Nasenbär begegnen. Ein Faultier wäre auch richtig cool.
Die Einheimischen verwenden diese Pilze, um sich Notizen zu machen, erklärt uns der Guide.
Und dann erzählt er uns etwas mehr über sich:
Er ist in einem kleinen Dorf mitten im Amazonas-Regenwald aufgewachsen. Er hat alles von seinem Vater und Großvater gelernt, was man wissen muss, um im Dschungel zu leben. Seit 1995 der Madidi-Nationalpark gegründet wurde, in dem er lebte, hat sich sehr vieles für ihn geändert. Es ergab sich für ihn, in die Stadt und zur Schule zu gehen. Spanisch und die Dinge der Stadtmenschen zu lernen. Er hat uns ein Bild seiner Familie von damals gezeigt, mit ihren selbst gemachten Kleidern. Die sahen wirklich aus, wie man sich Indianer vorstellt. Und sie sind barfuß gegangen – wir sind froh über die knöchelhohen Schuhe bei dem ganzen Zeug hier am Boden.
Schaut mal die großen Ameisen vor meinen Füßen.
Und dann haben wir diese 2 Amazonas-Adler entdeckt und unser Guide war ganz aus dem Häuschen. Anscheinend haben sie schon 6 Jahre keinen mehr gesichtet. Noch viel seltener als Jaguare und Pumas sind die. Die Adler jagen sogar Affen.
Honig-Bienen mit ihrem Eingang in den Baum zum Nest.
Lunchtime. Die Portionen hier sind riesig. Und jeden Tag gab es etwas anderes. Ganz toll.
Hier treffen wir auf viele Langzeitreisende. Und man tauscht sich aus…
Nach dem Essen machen wir immer Siesta in unserer Hütte. Genau wie diese süßen Viecher, die auch zu dieser Zeit immer in unserem Dach chillen.
Nachmittags paddeln wir auf dem See entlang und beobachten verschiedene Vögel.
Dann versuchen wir ein paar Piranhas zu fangen.
Ordentliche Beißer haben die kleinen Fische. Als Köder verwenden wir Rindfleisch. Der Chris ist erfolgreich. Ich bin leider nicht so geschickt und ziehe immer nur den leergefressenen Haken aus dem Wasser.
Voll schön, die Spiegelung im Wasser.
Lecker sind die Piranhas – viel dran ist allerdings nicht.
Dann geht es auf eine Nacht Tour. Bevor wir starten erwähne ich, wie gerne ich doch mal noch eine Vogelspinne sehen würde. Wir gehen keine 10 Schritte ums Haupthaus und da ist eine!
Ganz so groß hab ich sie mir nicht vorgestellt. Sehr beeindruckend.
Sehr viel sehen wir nachts nicht. Ein paar Busch-Hühner entdecken wir auf den Ästen. Als wir alle unsere Lampen ausmachen ist es wirklich stockfinster.
Am nächsten Tag ist der lustige Tapir wieder da.
Wir haben vormittags nochmal einen gemeinsamen Walk mit den beiden Mädels aus Holland und Belgien, bevor diese abreisen. Wir haben noch weitere 2 Nächte und somit Halbzeit.
Diese Ameisen haben eine Art Klammer-Maul. Unser Guide berichtet uns von seinem Sturz als Kind in der Regenzeit, welcher ihm eine große offene Wunde verursachte. Sei Vater verschloss ihm die Wunde mit 25 dieser Ameisen. Das Gas, das die Ameisen ausstoßen, fördert ebenfalls die Heilung. Toll wie die Natur alles bereit hält, wenn man weiß damit umzugehen und wenn man die Natur schützt.
In diesem Baum leben Fledermäuse.
Der Guide hat uns aus den Lianen eine Schaukel geknotet. Voll cool. 🙂
Die haben hier viele Nutzpflanzen. Wie z.B. Lianen, die frisches Wasser zum trinken enthalten. Oder den Garlic-Baum, dessen Rinde wie Knoblauch schmeckt und gegen Moskitos wirkt. Wir haben probiert, schmeckt wirklich richtig nach Knoblauch.
Nach dem heutigen Mittagsschlaf entdecke ich eine Zecke zwischen meinen Fingern. Daraufhin untersuchen wir uns und entfernen mir weitere drei und dem Chris auch zwei. Leider bekommt man auch trotz Spray und langer Kleidung einige Moskitostiche ab.
Ab jetzt haben wir den Guide für uns alleine. Wir entdecken einen roten Brüllaffen. Diese haben wir schon öfters gehört, auch in Guatemala. Ich freue mich, auch mal einen zu sehen. Wenn wir welche hören, dann scherzt unser Guide immer, dass es hier Löwen gibt.
Und von den kleinen Kapuziner-Affen sehen wir welche.
Das verwenden die Dschungel-Leute gerne als Reinigungs-Bürste oder Haar-Bürste.
Und dieses weiße Ding ist fluoreszierend und leuchtet nachts.
Wir entdecken eine frische Jaguar-Spur und folgen ihr ein Stück.
So sieht ein Nest einer Vogelspinne (auch Tarantel genannt) aus. Tags verweilen sie darin, denn sie sind nachtaktiv.
Diese zwei Süßen leben an der Lodge.
Seht ihr, nachts kommen sie raus, die netten Taranteln.
Blattschneide-Ameisen schneiden und sammeln Blätter. Dafür gehen sie bis zu 5 km weit, um geeignete Blätter zu finden. Diese Blätter fördern den Wachstum eines Pilzes in ihrem Bau, welcher ihnen förderlich ist.
Am nächsten Tag gehen wir etwas weiter und nehmen uns das Mittagessen mit.
Ein Kautschuk-Baum. Davon machen sich die Leute Kerzen.
Hier waren auch einige fleißige Blattschneide-Ameisen unterwegs.
Sieht hübsch aus, wie grünes Konfetti.
Wir erreichen einen entfernteren See.
Hier machen wir Mittags-Pause.
Während dessen kommen ein paar Kapuziner-Affen vorbei.
Ich sitze ein paar Minuten still am Ufer. Dabei lässt sich auch der hübsche, schreckhafte Vogel und der Schmetterling knipsen.
Die Schmetterlinge sind teilweise richtig groß.
Die großen Bäume hier werden bis zu 70 Meer hoch. Gigantisch.
Die Bäume mit ihren großen Wurzeln, werden gerne genutzt, um Unterschlupf für die Nacht zu bauen. Außerdem dienen sie als Kommunikation. Das dagegen Hauen mach ein ziemlich lautes Geräusch.
Wir entdecken nochmal eine Gruppe Brüllaffen.
Viel von dem Obst bauen die hier selber an.
Eine riesige Wespe. Diese ist wohl willkommen und frisst lästige Insekten.
Nach unserem letzten Abendessen fahren wir nachts ein Stück auf den See hinaus.
Über uns öffnet sich der freie Himmel. Momentan ist kein Mond zu sehen und der Sternenhimmel ist überwältigend! Zudem schwirren entlang des Ufers unzählige Glühwürmchen. Dazu gibt es ein Konzert der Frösche. Ein grandioser Abschluss.
Wir gehen zurück in die Hütte und machen uns bettfertig, da entdecken wir wieder einen neuen Mitbewohner. Groß und haarig.
Der Chris lässt mich mit dem netten Tier allein im Dunkeln zurück, weil ihm nicht wohl ist, mit der Vogelspinne das Zimmer zu teilen. Ich kann ihn jedenfalls nicht überzeugen gleich ins Bett zu gehen.
Ich versuche sie im Auge zu behalten, währenddessen entdecke ich eine zweite, die weiter unten entlang krabbelt. Doch ich verliere sie aus den Augen.
Nach einer Ewigkeit kommt der Chris mit dem Ranger zurück und sie entfernen die Eine. Die Andere lässt sich nicht finden.
Natürlich taucht sie dann doch wieder auf, als der Ranger schon weg ist. Naja, jetzt muss es halt so gehen. Wir haben ja zum Glück noch ein Moskitonetz, ohne wäre mir auch nicht wohl.
Der letzte Tag bricht an und wir lassen es heute ruhig angehen. Wir basteln traditionellen Schmuck.
Dafür sägen wir diese kleine Kokosnuss auf. Darin leben Maden, die sich vom Kokosfett ernähren. Die wären gesund und wir sollen doch probieren meint unser Guide. Na dann – frische Maden bekommt man schließlich nicht jeden Tag serviert. Ich bin dabei und beiße an der sich kringelnden Made ab.
Schmeck eigentlich sehr neutral. Der Chris neben mir, schüttelt den Kopf.
Während wir basteln, kommen ein paar Totenkopf-Äffchen vorbei. Hübsch sind die.
Nach dem Mittagessen geht es auf dem Fluss zurück nach Rurrenabaque.
Hier bleiben wir nochmal eine Nacht. So schön es war, so schön ist es doch auch wieder hier in der gewohnten Zivilisation zu sein.
Wir fliegen am nächsten Morgen zurück nach La Paz.
Das Flughafen-Gebäude und die Sicherheits-Kontrolle.
Wirklich Mini.
Und schwups, sind wir zurück in den Bergen. So verrückt.
Der Trip in den Amazonas war wirklich besonders. Wahnsinn, was für vielseitige Dinge man hier erleben kann.